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«Die Nähe des Geschäftsführers zu den Sektionen ist wichtig»

Herr Bernhard, Sie arbeiten in der Korbflechterei der Justizvollzugsanstalt Thorberg. Wie sieht Ihr Arbeitsalltag dort konkret aus?

 

Der Arbeitsalltag im Atelier Korberei ist sehr vielfältig. Die zehn Eingewiesenen sind mit verschiedenen Aufgaben vertraut. Zu meinen Aufgaben gehört es, sie bei ihrer Arbeit zu unterstützen, zu korrigieren oder auch zurechtzuweisen. Weiter gehört die Kundenbetreuung dazu. Aufträge werden per Telefon, E-Mail oder vor Ort entgegengenommen.

 

Was wird in der Korbflechterei heute hergestellt und welche Bedeutung hat diese Arbeit im Vollzugsalltag?

 

Verschiedenste Körbe, welche auf Kundenwunsch geflochten werden, sowie das Flechten von Wienergeflecht – einem traditionellen Flechtmuster aus Peddigrohr mit charakteristischem Achteckmuster, das klassisch als Stuhlbespannung verwendet wird – gehören zu unserem Angebot. Weiter sind wir mit unseren Waren am Gotthelfmärit in Sumiswald und am Weihnachtsmärit in der JVA St. Johannsen anzutreffen. Die Arbeit gibt den Eingewiesenen eine Tagesstruktur und die Möglichkeit, Neues zu erlernen. Bedingung ist aber, dass sie die Motivation aufbringen, regelmässig und mit Ausdauer am Arbeitsplatz zu erscheinen.

 

Sie arbeiten im Kanton Bern in einem Umfeld mit besonderen Anforderungen. Was schätzen Sie grundsätzlich an Ihrem Arbeitgeber Kanton Bern?

 

Die Arbeitsbedingungen, die Sozialleistungen und das stets pünktliche Überweisen des Lohns. Da ich noch ein öffentliches Amt in meiner Wohngemeinde ausübe, bin ich meinem Arbeitgeber dankbar, dass er dies ermöglicht und unterstützt.

 

Sie engagieren sich stark im Bernischen Staatspersonalverband (BSPV) und haben viele neue Mitglieder gewonnen. Wie sind Sie zu diesem Engagement gekommen?

 

Seit vier Jahren bin ich im Vorstand der Sektion Thorberg. Als die Mitgliederzahlen wegen Pensionierungen und Kündigungen stetig abnahmen, machten wir es uns im Vorstand zur Aufgabe, dass alle Mitarbeitenden den kennen oder zumindest schon einmal etwas davon gehört haben.

 

Was überzeugt Ihrer Erfahrung nach Kolleginnen und Kollegen heute noch, dem BSPV beizutreten? Hat sich die Art der Mitgliedergewinnung in den letzten Jahren verändert und welche Rolle spielt die persönliche Ansprache?

 

Ohne das persönliche Ansprechen der Leute geht es auch im Jahr 2026 nicht – daran hat sich in den letzten Jahren nichts verändert. Die wenigsten Arbeitskollegen lassen sich beim ersten Kontakt für den BSPV begeistern. Es braucht meist mehrere Gespräche und ein kurzes Nachhaken, bis sich jemand für eine Mitgliedschaft entscheidet.

 

Die Leute für eine Sache zu motivieren, hinter der man selbst steht, ist wichtig. Beispiele, wo der BSPV beraten und unterstützen konnte, helfen dabei sicher. Ein wichtiger Punkt ist auch die Nähe des Geschäftsführers Daniel Wyrsch zu den Sektionen. Seine Teilnahme an

unseren Versammlungen stärkt die Sektion zusätzlich.

 

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Leistungen des BSPV für die Mitarbeitenden des Kantons Bern?

 

Für mich ist wichtig, dass der BSPV sichtbar ist, sich stets für die Rechte und Anliegen der Mitarbeitenden einsetzt und zeitgemässe Themen aufgreift. Aktuell halte ich den Nacht- und Wochenendzuschlag, der neu auf zehn Franken pro Stunde erhöht wurde, für eine wichtige

Errungenschaft – speziell im Strafvollzug, wo der Betrieb 24/365 funktionieren muss.

 

Welche Themen beschäftigen die Mitarbeitenden des Kantons Bern aktuell am meisten – und wo kann der BSPV konkret unterstützen? Wo sehen Sie Handlungsbedarf bei den Arbeitsbedingungen?

 

Mit den Arbeitsbedingungen des Kantons Bern bin ich zufrieden. In den letzten Jahren hat sich einiges zum Guten der Arbeitnehmenden verändert. Das bestätigt mir, dass die Forderungen des BSPV von der Politik gehört werden.

 

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Ihrer Arbeit im Thorberg und Ihrem Engagement im BSPV – etwa im Umgang mit Menschen oder im Teamgedanken?

 

Bei der Arbeit steht der Eingewiesene im Fokus, bei der BSPV-Sektion der Mitarbeitende. Beide Seiten wünschen sich, gehört zu werden.

 

Was motiviert Sie persönlich, sich zusätzlich zur beruflichen Tätigkeit im Verband so stark zu engagieren?

 

Gespräche finden meist in den Pausen oder in einer ungezwungenen Atmosphäre statt. Meine Motivation besteht darin, den Zusammenhalt unter den Mitarbeitenden zu stärken – und zu zeigen, dass nur die gemeinsame Stimme Gewicht hat und gehört wird.

 

Wenn Sie einen Wunsch an den Kanton Bern als Arbeitgeber formulieren könnten – welcher wäre das?

 

Dass den Mitarbeitenden auch in Zukunft die nötigen Mittel zur Verfügung gestellt werden, damit die Arbeit gut erledigt werden kann, sie sich am Arbeitsplatz wohlfühlen – und gesund bleiben.

 

Und zum Schluss: Warum lohnt es sich aus Ihrer Sicht, Teil des BSPV zu sein?

 

Die Mitgliedschaft gibt mir eine gewisse Sicherheit für den Arbeitsalltag. Mit dem Wissen, dass ich bei einem Ereignis nicht allein bin, dass zeitnah eine kompetente Ansprechperson für mich da ist – und dass Fragen schon vor einer Eskalation geklärt werden können.

 

Urs Bernhard, wir danken Ihnen herzlich für das offene Gespräch!

 

Privater Einblick

Urs Bernhard ist 47 Jahre alt, gelernter Zimmermann und Fachmann Justizvollzug. Er ist Vater von drei Teenagern und bezeichnet sich als Emmentaler «durch und durch». Er treibt gerne Sport, mag die SCL Tigers und ist Präsident der Schwellenkorporation in seiner Wohngemeinde.