Dominique Clémençon ist seit Anfang 2025 BSPV-Präsident. Er ist der zehnte BSPV-Präsident seit der Gründung im Jahr 1912. Ursprünglich studierte er Geschichte und Politikwissenschaften und absolvierte diverse Weiterbildungen sowie ein Nachdiplomstudium an der Universität Bern.
Dominique, ist deine Tätigkeit in einem traditionsreichen Verband etwas Besonderes für einen Historiker? Oder hat sie keinen Einfluss auf deine Tätigkeit?
Es ist eine grosse Ehre für mich, einem derart geschichtsträchtigen Verband vorstehen zu dürfen. Der Verband hat eine lange, bewegte Geschichte und hat massgeblich
mitgeholfen, die Arbeits- und Anstellungsbedingungen der Kantonsangestellten auf das gute Niveau zu bringen, auf dem sie heute sind. Es ist mir grosser Ansporn, die gute bisherige Arbeit
weiterzuführen.
Viele Mitglieder des BSPV haben keine genaue Vorstellung von den Pflichten des BSPV-Präsidenten. Kannst du dein Aufgabengebiet kurz zusammenfassen?
Das Präsidentenamt ist ein Milizamt. Es beansprucht etwa zehn Prozent meiner Arbeitszeit. Als Präsident nehme ich mehrmals pro Jahr an den Sozialpartnergesprächen mit der Delegation des
Regierungsrates teil. Dort werden grundsätzliche Fragen rund um die Anstellungsbedingungen des Berner Staatspersonals diskutiert. Weiter finden regelmässige Austausche mit der
Justizverwaltungsleitung, der Spitze der Kantonspolizei und weiteren wichtigen Partnern auf politischer Ebene statt. Daneben sind mir die regelmässigen Treffen und das gute Verhältnis mit unseren
Partnerverbänden Bildung Bern und VPOD wichtig.
Verbandsintern leite ich die Sitzungen der Geschäftsleitung, die vier- bis sechsmal im Jahr tagt. Zudem tritt die Delegiertenversammlung zweimal im Jahr zusammen. Daneben stehe ich in einem engen, fast täglichen Austausch mit dem Geschäftsführer, mit dem ich das Alltagsgeschäft bespreche. Er bezieht mich zu vielen kleinen und grösseren Fragen ein, um eine Zweitmeinung einzuholen oder wenn er sich einfach kurz absprechen will.
Du hast seit Anfang 2025 viele Sektionsversammlungen besucht, die beiden ersten Delegiertenversammlungen geleitet und an diversen Sozialpartnergesprächen teilgenommen. Wie sind deine ersten Eindrücke?
Ich habe mir fürs erste Amtsjahr vorgenommen, den Verband noch besser kennenzulernen. Dazu ist die Teilnahme in den Sektionsversammlungen eine gute Möglichkeit. Ich habe festgestellt, dass in allen Sektionen, aber auch auf der Geschäftsstelle und in der Geschäftsleitung, sehr engagierte Personen am Werk sind. Die Anlässe sind professionell organisiert und werden effizient abgewickelt.
Ich bin überall sehr offen und freundlich empfangen worden. Die Stimmung im Verband ist gut. Am meisten beeindruckt hat mich die Vielfältigkeit der Sektionen. Es sind sehr viele verschiedene Berufsgruppen unter dem Dach des BSPV organisiert, von Wildhütern und Försterinnen über Gymer-Lehrerinnen und Uni-Dozenten bis hin zu Polizistinnen und Polizisten, Justizvollzugsangestellten und «Bürolisten».
In allen Sektionen sind fähige Leute am Werk, die mit grossem Engagement den Verband Tag für Tag vorwärtsbringen. Dieses Engagement ist beeindruckend, schätze ich sehr und möchte ich nach Kräften unterstützen.
Hast du aufgrund deiner Eindrücke neue Ideen oder Veränderungsvorschläge für den Verband? Was möchtest du in den nächsten Jahren umsetzen?
Schön wäre es, wenn wir neue Sektionen gründen könnten. Im Sektor der Kommunikation oder auch im Bereich Informatik sind wir bisher eher schwach vertreten. Zudem können wir auf Social Media
aktiver werden, damit wir als moderner Verband wahrgenommen werden.
Der BSPV setzt sich für gute Anstellungsbedingungen für das Kantonspersonal ein. Wie gross ist die Einflussnahme des Verbandes? Ist sie erfolgreich?
Grundlage der Einflussnahme ist ein vielfältiges Kontaktnetz in die Kantonsverwaltung und ein intaktes Vertrauensverhältnis zu den Entscheidungsträgerinnen und -trägern des Kantons. Wenn der BSPV
sozusagen das Gras wachsen hört, erfährt er sehr früh von neuen Vorhaben und kann bereits in der Anfangsphase Einfluss nehmen, was am effizientesten ist. Wichtig ist auch das Vorgehen in
konkreten Arbeitskonflikten.
Wenn der Arbeitgeber erkennt, dass der BSPV ein harter, aber verlässlicher und fairer Gegner in Konfliktsituationen ist, wird er als legitimer Gegenpart anerkannt und vielleicht sogar geschätzt.
Ich denke, der BSPV und insbesondere sein Geschäftsführer haben in dieser Hinsicht in den letzten Jahren sehr gute Arbeit geleistet.
Leider ist die Mitgliederzahl des BSPV rückläufig. Wie will der Verband da Gegensteuer geben?
Der langsame, aber stetige Mitgliederschwund ist für mich tatsächlich die aktuell grösste Herausforderung des BSPV. Wenn dieser ungebremst weitergeht, könnte eines Tages die Legitimität als Arbeitnehmervertretung in Frage gestellt werden. Hier müssen wir unbedingt Gegensteuer geben. Dazu gibt es kein Allheilmittel. Oftmals stelle ich fest, dass neue Kantonsangestellte gar nicht wissen, dass es den Verband gibt. Das können wir verbessern. Wir müssen unser Image als moderner, zeitgemässer Verband auffrischen und besser vermarkten. Eine Überarbeitung unseres Social-Media-Auftritts kann helfen.
Als geschäftsleitender Sekretär der Finanzkommission kennst du den politischen Alltag, viele Amtsträger und das kantonale Personalrecht
bestens. Gibt es Bereiche, in denen der Kanton mehr für seine Angestellten tun kann?
Ich finde, die Arbeitsbedingungen beim Kanton Bern sind gut. Im Vergleich zum Bund stehen wir wohl etwas schlechter da. Das geht für mich aber auf: Der Bund spielt schon nur finanziell in einer
ganz anderen Liga. Gegenüber den meisten Gemeinden stehen die Kantonsangestellten besser da, was für mich auch wieder stimmt. Sorge macht mir, dass in vielen Bereichen der Druck auf das Personal
steigt. Die Bevölkerung des Kantons wächst und die Ansprüche an das Personal werden immer höher. Eigentlich sollten die Automatisierung und Digitalisierung helfen, die Mehrarbeit abzufedern.
Leider dauert die Einführung neuer ICT-Hilfsmittel oft länger als geplant, bringt teilweise nicht die erhofften Resultate oder scheitert, so dass es am Ende mehr Leute braucht, um dasselbe zu
erreichen. Wenn die Verwaltung in der Folge zusätzliche Stellen beantragt, ist die Politik oft sehr kritisch. All dies erhöht den Druck.
Was wünschst du dir für den BSPV in Zukunft?
Der BSPV verfügt über schlanke Strukturen, motivierte und fähige Mitarbeitende und ist finanziell gesund, was eine gute Ausgangslage ist. Ich hoffe, dass wir den BSPV in den nächsten Jahren
bekannter machen und noch mehr Kantonsangestellte von den wichtigen Dienstleistungen und attraktiven Zusatzvorteilen einer Mitgliedschaft beim BSPV überzeugen können.

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